Im Verbund

AGN

Kooperation von unabhängigen Beratern aus mehr als 90 Ländern
weiter

Rückruf-Service

Sie haben Fragen zu unseren Angeboten? Wir rufen Sie gerne an.

Ihr Name:

Ihre Telefonnummer:

Anfrage an Standort:

Expertentipps

Brexit - Und was heißt dies jetzt?

Groß Britannien (im folgenden auch „GB“) hat ein Referendum abgehalten mit bekannten Ausgang: Die Briten haben für den Austritt aus der EU gestimmt.

Technisch muss die britische Regierung der EU offiziell mitteilen, dass sie austreten will. Dann beginnt eine Verhandlungsphase von zwei Jahren. Diese kann einstimmig (jedes EU-Land inkl. GB muss zustimmen) verlängert werden. Bis zum Schluss der Verhandlungsphase bleiben alle EU Regeln in Bezug auf GB voll in Kraft. Sollte es zu keinem Verhandlungsergebnis und keiner Verlängerung der Verhandlungsdauer kommen, so bedeutet dies, dass GB mit Ablauf von zwei Jahren aus der EU ausscheidet: Alle EU Abkommen verlieren in Bezug auf GB ihre Gültigkeit. Lediglich die nach wie vor gültigen Regeln des Welthandelsabkommen bleiben in Kraft (dies Szenario wird auch als das WTO-Modell bezeichnet). Dieses Szenario ist aus Sicht der Wirtschaft auch das denkbar schlechteste Szenario. Obwohl alle beteiligten EU-Länder möglichst den gemeinsamen Markt mit Groß Britannien beibehalten möchten, gibt es hohe politische Hürden zu überwinden. Die Briten die für den Austritt gestimmt haben, wollten vor allen Dingen folgende Punkte erreichen, die konträr zu den von der EU geforderten Grundvoraussetzungen für die Teilnahme am gemeinsamen Markt erklärt worden sind:

  1. Stop der Migration aus EU Ländern (GB) versus Bewegungsfreiheit inklusive Ansässigkeit der EU Bürger in jedem EU-Land (EU)
  2. Übernahme nur derjenigen EU-Richtlinien in die nationale Gesetzgebung, die genehm sind „We want our country back“ (GB) versus alle EU-Richtlinien sind zwingend in die nationale Gesetzgebung zu übernehmen (EU).
  3. Null Zahlungen in den EU Haushalt (GB) versus Solidarprinzip, dies bedeutet starke Länder wie GB sind Nettobeitragszahler (EU).

Diese Verhandlungspositionen stehen sich konträr gegenüber. Erschwert wird die Situation noch dadurch, dass der zu verhandelnde Austrittsvertrag einstimmig beschlossen werden muss (Jedes EU land inklusive GB muss mit ja stimmen) und in diversen EU Ländern starke politische Bewegungen für einen Austritt aus der EU vorhanden sind. Um diese politischen Bewegungen möglichst klein zu halten, sollte der EU Austritt der Briten so unangenehm wie möglich sein. Die Politiker und Verhandlungsführer haben hier im wahrsten Sinne des Wortes: die Quadratur des Kreises zu bewältigen.

Obwohl der mögliche Verhandlungsausgang bzw. das Ergebnis aus diesem Prozess rein spekulativ ist, besteht über folgende Dinge Sicherheit:

  • Das „beste“ Szenario aus Sicht der Wirtschaft ist, dass es gar nicht zu der offiziellen Mitteilung von GB an die EU kommt und das Ergebnis des Referendums politisch einkassiert wird (Exit vom Brexit). Es bleibt beim Status Quo. Die Bedingungen dieses Zustandes sind eindeutig beschreibbar und die damit verbundenen Auswirkungen sind für jedes Unternehmen präzise abschätzbar.
  • Das „schlechteste“ Szenario (worst case) ist das oben beschriebene WTO-Modell. Die Bedingungen dieses Zustandes sind eindeutig beschreibbar und die damit verbundenen Auswirkungen sind für jedes Unternehmen präzise abschätzbar.
  • Denkbar sind weiterhin alle möglichen Szenarien, die aus der Sicht der Wirtschaft irgendwo zwischen dem „schlechtesten“ und „besten“ Szenario liegen.
  • Auch wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit für das „beste“ und „schlechteste“ nach unserer Einschätzung unter 10 % liegt, ist der Eintritt dieser jeweiligen Extremszenarien aus Sicht der Wirtschaft eine ernst zu nehmende Möglichkeit der zukünftigen Entwicklung.

Vor diesem Hintergrund sollte jedes Unternehmen folgende Fragen schon jetzt ernsthaft durchgehen:

  • Welche Auswirkungen hätte das schlechteste Szenario WTO-Modell für mein Unternehmen?
  • Welche Maßnahmen gibt es, um den möglichen negativen Auswirkungen so gut wie möglich zu begegnen?
  • Welche Zeit benötige ich, um die optimalen Maßnahmen umzusetzen und welche Kosten sind damit verbunden?

Aus den Antworten der obigen Fragen ist ein Maßnahmenplan (Wer, was, wann, wie, wo und wie lang) ableitbar. Dieser Denkprozess kann bei einigen Unternehmen dazu führen, dass die Auswirkungen des worst case zu vernachlässigen sind und damit in Ruhe abwarten die optimale Handlung darstellt. Bei anderen Unternehmen führt der worst case ggf. zur Existenzgefährdung des Unternehmens. Für diese Unternehmen sind der Maßnahmenplan und die zeitgerechte Umsetzung desselben quasi als Versicherung gegen den worst case unabdingbar.

Es gilt also: auf das Beste hoffen, auf das Schlechteste vorbereitet sein.

Hier ein Überblick der Bereiche, die zumindest durch den worst case betroffen wären:

  1. EU Institutionen in GB
  2. Rechtliche Aspekte
  3. Personalwesen
  4. Datenschutz = Einschränkung Datenaustausch!
  5. Schutzrechte nach EU-Recht
  6. EU Subventionen
  7. Steuerliche Aspekte
  8. Umsatzsteuerliche Aspekte
  9. Handel und Produktion
  10. Dienstleistungen
  11. Rechnungswesen, Jahresabschluss

Zu den jeweiligen Bereichen würden in lockerer Folge kurze Berichte erscheinen, die die Fragestellungen und Auswirkungen des worst case näher beschreiben.

Eingestellt am: 04.10.2016